IBM übernimmt Red Hat

By | 29. Oktober 2018

Ein roter Hut - das Markenzeichen von Red Hat LinuxAm Sonntag Abend platzte eine Nachricht in die Linux-Welt, mit der wohl nur wenige gerechnet hatten: IBM übernimmt Red Hat. Red Hat ist nicht nur die Firma hinter Red Hat Enterprise Linux (RHEL) einschließlich deren Forks CentOS und Scientific Linux, sondern auch die treibende Kraft hinter Fedora Linux. Red Hat ist damit Marktführer bei den Linux-Distributionen für Server.

Die Übernahme steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Red Hat-Aktionäre sowie der Kartellbehörden. Sie soll in der zweiten Jahreshälfte 2019 abgeschlossen sein.

IBM und Red Hat erklärten gemeinsam, dass IBM alle ausgegebenen und ausstehenden Stammaktien von Red Hat zu einem Preis von 190,00 $ pro Aktie in bar übernehmen wird. Dies entspricht einem Gesamtunternehmenswert von ca. 34 Mrd. $ (30 Mrd. €). Zum Vergleich: die Red Hat-Aktie wurde zum Handelsschluss am letzten Freitag mit einem Kurs von knapp 105 € gehandelt. IBM zahlt also einen sattern Aufschlag von 80% auf den aktuellen Börsenkurs.

Joining forces with IBM will provide us with a greater level of scale, resources and capabilities to accelerate the impact of open source as the basis for digital transformation and bring Red Hat to an even wider audience – all while preserving our unique culture and unwavering commitment to open source innovation

Jim Whitehurst, President und CEO, Red Hat

IBM und Red Hat wollen die Übernahme von Red Hat als ein Wendepunkt am Cloud-Markt verstanden wissen. Mit der Übernahme wird IBM der weltweit führende Anbieter von hybriden Clouds sein.

Die meisten Unternehmen seien heute nur zu 20 %auf ihrer Cloud-Reise und mieten Rechenleistung, um Kosten zu sparen, berichtet Ginni Rometty, President und CEO von IBM. Bei den nächsten 80% gehe es nun darum, echten Geschäftswert zu erschließen und Wachstum zu fördern. Dies sei das nächste Kapitel der Cloud. Es erfordere die Verlagerung von Geschäftsanwendungen in die Hybrid Cloud, die Extrahierung von Daten und die Optimierung aller Geschäftsbereiche von der Lieferkette bis zum Vertrieb.

Red Hat seinerseits verspricht sich nach Aussage von Jim Whitehurst, President und CEO von Red Hat, von der Zusammenarbeit mit IBM ein größeres Maß an Skalierbarkeit und Ressourcen, um die Auswirkungen von Open Source als Grundlage für die digitale Transformation zu beschleunigen und Red Hat einem noch breiteren Publikum zugänglich zu machen.

Erklärtes Ziel des Zusammenschlusses soll es sein, Unternehmen zu ermöglichen, alle Geschäftsanwendungen sicher in die Cloud zu verschieben. Unternehmen verwenden heute bereits mehrere Clouds. Untersuchungen zeigen jedoch, dass 80 %der geschäftlichen Workloads noch nicht in die Cloud verlagert wurden. Als einen der maßgeblichen Hemmfaktoren hierbei haben IBM und Red Hat die proprietäre Natur des heutigen Cloud-Marktes ausgemacht, durch die sowohl die Portabilität von Daten und Anwendungen über mehrere Clouds, wie auch die Datensicherheit in einer Multi-Cloud-Umgebung und ein konsistentes Cloud-Management verhindert werde. Dieses von IBM und Red Hat ausgemachte Problem soll mit der Übernahme von Red Hat durch IBM angegangen und die Einführung von hybriden Multi-Clouds beschleunigt werden. Beide Unternehmen versprechend dabei, Cloud-native Geschäftsanwendungen schneller zu erstellen und die Portabilität und Sicherheit von Daten und Anwendungen über mehrere öffentliche und private Clouds hinweg zu erhöhen. Dabei greifen sie auf ihre gemeinsame Führung in Schlüsseltechnologien wie Linux, Container, Kubernetes, Multi-Cloud-Management sowie Cloud-Management und -Automatisierung zurück.

Die rund um Red Hat bestehenden Open Source-Communities versuchen beide Unternehmen gleichzeitig zu beruhigen: Mit dieser Übernahme werde sich IBM weiterhin der Open-Governance von Red Hat, den Open-Source-Beiträgen, der Teilnahme an der Open-Source-Community und dem Entwicklungsmodell und der Förderung seines weit verbreiteten Entwickler-Ökosystems widmen. Darüber hinaus würden sich IBM und Red Hat weiterhin für die weitere Freiheit von Open Source einsetzen, beispielsweise durch Patentversprechen, GPL Cooperation Commitment, das Open Invention Network und das LOT Network.

IBM und Red Hat würden auch weiterhin Red Hat-Partnerschaften aufbauen und ausbauen einschließlich – zusätzlich zur IBM-Cloud – solcher mit großen Cloud-Anbietern wie Amazon Web Services, Microsoft Azure, Google Cloud, Alibaba und anderen. Gleichzeitig würd Red Hat von der IBM Cloud- und Enterprise-IT-Skala bei der Erweiterung seines Open-Source-Technologieportfolios für Unternehmen weltweit profitieren.

„IBM hat sich dazu verpflichtet, ein authentischer Multi-Cloud-Anbieter zu sein, und wir werden Red Hat-Technologie für mehrere Clouds priorisieren“, betont Arvind Krishna, Senior Vice President von IBM Hybrid Cloud. „Auf diese Weise wird IBM die Open-Source-Technologie überall dort unterstützen, wo sie läuft. Dadurch kann sie innerhalb kommerzieller Umgebungen auf der ganzen Welt erheblich skaliert werden.“

Nach Abschluss der Übernahme wird Red Hat dem IBM Hybrid Cloud-Team als eigenständige Einheit beitreten und dabei die Unabhängigkeit und Neutralität von Red Hats Open-Source-Entwicklungstradition und Engagement, das aktuelle Produktportfolio und die Markteinführungsstrategie sowie die bisherige Entwicklungskultur bewahren. Red Hat soll auch nach der Übernahme durch IBM weiterhin von seinem derzeitigen Managementteam geleitet werden. IBM beabsichtigt auch, den Hauptsitz von Red Hat sowie seine Einrichtungen, Marken und Praktiken zu erhalten.

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